Alles auf Anfang

Hier bin ich wieder. Ich bin stumm weil ich schweige und genieße. Und im Grunde war und bin ich ja auch ein Optimist weil ich mir eingeredet habe, dass ich eines Tages vielleicht wiederkomme. Eventuell und möglicherweise. Aber um ein richtiger stummer Optimist zu werden, bräuchte ich einen Hund. Ich bin jetzt bei einer neuen Zeitung mit neuen Bedingungen und neuen Verteilzeiten. Ich beanspruche nun den Samstagnachmittag. Es ist Winter, es ist kalt. Aber wisst ihr was? Es war kein einziger stummer Optimist unterwegs! Ob das am Wetter liegt oder an der Tageszeit ist mir noch ziemlich egal. Aber so, liebe Freunde, macht es doch Spaß! Das Gebiet, für das ich verantwortlich bin, ist jenes, welches ich auch ganz zu Anfang in der letzten „Saison“ versorgt habe. Na ja, fast zumindest. Einige Straßen und Häuser blieben jetzt auszulassen, wobei mir erst jetzt bewusst wurde, dass in einer Straße die Nummer 31 nahtlos an die 33 anschloss. Und in einer anderen existierte die 50 neben der 52 – das einzige Haus, in dem ich in dieser Straße einwerfen sollte, war die 51. Da hilft nur Google, unser aller bester Freund und Helfer. Es ist nicht das Gebiet mit Lieselotte und Hans-Peter. Ich war schon in Sorge, all die vergangenen Kuriositäten würden mir jetzt verborgen bleiben. Außer ein paar schweigenden Pärchen bin ich schließlich keinen Menschen begegnet. Aber eines muss man denen aus diesem Dorf lassen – ihre Kreativität und den Stil! Die Idee, Plätzchenformen an Schnüre zu hängen und damit die Sträucher im Vorgarten zu dekorieren, ist zugegebenermaßen wirklich nicht schlecht. Respekt! So viele Unterschiede. Da fragt man sich natürlich, was denn überhaupt geblieben ist. Zum einen sind das die Namen an den Briefkästen. Niemand scheint weggezogen zu sein, niemand hinzugezogen. Das ist dann Woche für Woche definitiv ein effektives Gedächtnistraining wenn man sich zu erinnern versucht, in welchem Haus welche Familie wohnt. Geblieben ist die Postfrau, der ich schon im Vorjahr immerzu begegnet bin, der ich begegne, wenn ich sonst so alleine draußen unterwegs bin und die mir vor Jahren als ich noch klein war mal Bonbons schenkte, als sie uns die Post brachte. Geblieben ist auch meine Freude darüber, wenn mal gleich zwei Briefkästen an einem Haus angebracht wird. Mein Wagen fühlt sich gleich viel leichter an, was bei 350 Stück aber natürlich Irrsinn ist. Doch viel mehr als blieb hat sich insgesamt doch verändert. Und am allermeisten die Atmosphäre. „Die Welt hält den Atem an“ - ich habe mich immer gefragt, woher dieser Ausdruck kommt. Ob Frühling, ob Sommer, ob Herbst, ob Winter: Jetzt habe ich meine ganz eigene Antwort auf diese Frage gefunden.

1.2.15 13:06

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