Schluss, aus und vorbei

Es fühlt sich merkwürdig an. Loszugehen und zu wissen, dass man es zum letzten Mal tut. Jede Zeitung, die ich hervor genommen, jeden Briefkasten, den ich öffnen werde, werde ich nie wieder sehen. Zumindest nicht in einer solchen „erzwungenen“ Situation, wenn ich wiederkomme, dann aus freien Stücken und nicht um zu arbeiten. An der Hecke, wo vor wenigen Monaten noch die Stimme eines kleinen Mädchens verlangt hat, Sophie solle leise sein, ist jetzt im Herbst nur eine Motorsäge zu hören, die das Kaminholz für den Winter klein macht. Wann das Pärchen mit dem riesigen „Wir sagen ja!“-Plakat sich wieder trennt, erfahre ich auch nicht, geschweige denn, wann es endlich ja gesagt hat. Es sollte einen ähnlichen Begriff wie Inkubationszeit bei Pärchen geben – aber im Sinne von „Zeit zwischen Verlobung und Hochzeit“. Den haarigen, unrasierten, ekligen Mann, der mir die Tür schon ein paar Mal vor der Nase aufgerissen hat, habe ich heute nicht gesehen. Zum Glück. Vielleicht wird er seine Zeitung in der nächsten Woche gar nicht mehr bekommen, wenn sich die Gerüchte bewahrheiten, es würde sie ab dann aus Kostengründen nur noch online geben. Ich WETTE, dass es keinen Menschen auf der Welt gibt, der sich Werbung online ansieht! Doch nett waren heute viele. Eine Frau erzählte mir ihre halbe Lebensgeschichte, und die ihrer Tochter, die ebenfalls verteilt(e). Ein etwas älterer Mann und auch eine Frau schienen überglücklich, als ich ihnen ihre Zeitung geben konnte. Fröhlich wünschten sie mir noch ein schönes Restwochenende, und das auf eine Art, die keinesfalls ironisch wirkte. Da ich heute nicht am frühen Morgen, sondern am Nachmittag losgegangen bin, habe ich keinen einzigen stummen Optimisten getroffen. Was war das für eine Erleichterung! Die sind wohl das einzige an der ganzen Sache, die ich nicht vermissen werde. Sag niemals nie, das ist das einzige, was mich erheitern kann. Ich rede mir nicht ein, „nie wieder in diesem Gebiet Zeitungen auszutragen“. Vielleicht komme ich wieder dazu, eines Tages. Ich muss nur warten und der Welt zeigen, dass ich die Richtige für den Job bin! Denn ja , Tiefen der Tage hin oder her, es hat auch Spaß gemacht. Und ich WERDE wiederkommen! Wenn nicht beim Verteilen, dann doch, wenn es in Strömen regnet. Dann werde ich mit unserer eigenen Zeitung kommen und sie als Papierboot gefaltet die Bäche hinunterfahren lassen. Sie hupen lassen oder einen Eisberg rammen. Meine von einer im Hochsommer vollführten barfuß-Tour gezeichneten Füße werden mich an diese Zeit erinnern. Diesen gesamten Sommer und diesen halben Herbst. Weil alle Personen einzigartig sind. Insbesondere Hans-Peter und Lieselotte, die jetzt im Winter sicherlich auch ihre Angeln wegstecken müssen. Aber ganz egal, was kommt, ich danke allen für alles und das interessanteste Dorf auf Erden ist ja auch nicht aus der Welt sondern ganz nah. Ganz. Egal. Was. Kommt.

26.10.14 18:18

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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


(26.10.14 18:31)
Ein echt wunder schöner Text

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