Der Optimisten ihre Lieblinge

Trotz meiner sich dem Ende nähernden Zeit als Verteilerin ist heute aber natürlich trotzdem noch so einiges passiert. Ach, ich glaube, ich werde das alles echt vermissen ... Wenn keiner mit ihnen spazieren geht, dann sind sie eingesperrt. Laufen in umzäunten Garten herum, jagen nach Mäusen oder liegen einfach nur da, wenn sie eines faulen Charakters gesegnet worden sind. Bis irgendwas passiert, das sie motiviert, aufzuspringen und woandershin zu laufen. Das sind sie: die Hunde. Auf dem Dorf leben bekanntlich noch mehr davon als in der Stadt. Warum sonst sollte man aufs Land ziehen? Wegen der Idylle und Ruhe? Wohl kaum, die ist schließlich auch nicht immer gegeben. Und hier in Mecklenburg-Vorpommern gibt es neben Rostock auch keine nennenswerten Großstädte, die Ruhe sollte also überall gegeben sein. Nichtsahnend bewegt man sich auf die Gartentore zu, auf die Briefkästen, faltet die Zeitung im Gehen bereits zusammen und will sie gerade versenken, da schießt wie aus dem Nichts ein Bündel Fell auf einen zu, das auch noch wie wahnsinnig zu jaulen und bellen anfängt. Panisch macht man einen Sprung nach hinten, die Zeitung immernoch in der Hand. Chance verpasst. Was jetzt tun? Der Briefkasten ist direkt am Gartenzaun und während die Kreaturen an diesem hochspringen, sieht man ihre langen Klauen und die spitzen Zähne. Die Hand auch nur in die Nähe halten und wahrscheinlich wäre sie ab. Man bleibt also stehen und wartet ab. Viel zu lange, viel zu lange. Die Augenblick verrinnen. Die zeit läuft. Eigentlich hätte man schon längst zuhause sein können. Der Hund langweilt sich allmählich wieder. Jetzt oder nie! Also Angriff auf den Briefkasten und rein mit der Zeitung. Der Hund stürzt zurück. Puuh, gerade noch geschafft! Da helfen auch die „Hier wache ich!“-Schilder nichts, wenn man sie doch erst viel zu spät sieht. Und Schild hin oder her – die Hunde sind trotzdem da. Andere Hunde sind mir da lieber. Heute war der Himmel bewölkt, als ich losgezogen bin. Wie immer war es noch früh und – ebenfalls wie immer – war der erste Mensch, der mit entgegenkam, einer mit Hund. Aber er war nicht stumm (der Mensch, nicht der Hund). Erst wünschte er mir einen guten Morgen, sagte mir dann, sein Hund bräuchte keine Zeitung und dann noch, dass er Angst vor Gewitter habe (der Hund, nicht der Mensch). Hunde könnten wohl zehn Mal besser hören als Menschen, erklärte er mir, in der Ferne hätte der Hund es donnern hören und wollte jetzt so schnell wie möglich nach Hause und runter vom Feld, runter von der Straße, raus aus dem Wald. Solange er, sobald er zuhause ankommt, sich nicht an den Gartenzaun stellt und den vorbeikommenden Zeitungsverteilern auflauert.

27.9.14 12:45

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