Partyzeit und ein Haufen Überraschungen

Genau wie gestern bin ich in der letzten Woche sehr spät abends unterwegs gewesen. Nun, so spät ist es eigentlich gar nicht gewesen, aber es kam mir so vor, weil die Sonne jetzt im Spätsommer schon so früh untergeht. Bald ist Herbst und das sind nun die ersten Vorboten davon. Als ich im kleinen Gebiet in eine Gasse einbog, kam mir jemand entgegen. Ein Mann, wie ich später erkannte. Er kam aus seinem Carport in dem ich ihn schon in meiner Verteilerzeit vor zwei Jahren Wochenende für Wochenende Holz hacken gesehen habe. Gehacktes Holz liegt dort jetzt immernoch, aber den Mann habe ich nie wieder gesehen und auch das Geräusch der Axt hat mich seitdem nie wieder in meine Träume verfolgt. Okay, gelogen. Geträumt habe ich nie davon, das ist nur so schön Horrortraum-Klischee. Ich überreichte ihm feierlich die Zeitung. Er schien etwas müde. Kein Wunder, der ganze Schlafrhythmus geht ja durcheinander, wenn es auf einmal so früh dunkel ist! Aber ohne, dass ich gefragt habe, erklärte er mir auch, warum er so müde sei. Gefeiert habe er gestern, noch ganz lange. Er habe die Nacht durchgemacht. Wollte ich das wissen, wollte ich das? Gestern, also genau eine Woche später, hing in seinem Carport ein groooooooßes Plakat: „Wir sagen Ja!“ Uuuuh, war das die Verlobung vor einer Woche und jetzt wurde eine Blitz-Hochzeit organisiert? Ich bin ja schon an diverse Geburtstagsgemeinschaften vorbeigekommen (an einer übrigens auch gerade gestern, die Leute begrüßten mich mit „Oooooooh, Werbung!“) aber jetzt scheint meine Karriere einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Wenn nächste Woche die Hochzeit ansteht neben den aufgestapelten Holzscheiten und dem Holzblock, indem immer die Axt steckt, dann wird das definitiv ein Erlebnis! Aber leider stand kein Datum auf dem Plakat. Vermutlich werde ich das große Spektakel also verpassen. Man kann ja nicht immer am Freitag unterwegs sein. Und nochetwas ist gestern passiert. Auch im kleinen Gebiet. Etwas, das ich der Welt auf keinen Fall vorenthalten darf. Ich bin immer für Überraschungen gut. Zumindest, wenn es ganz geplant welche sein sollen, positive Überraschungen, oder welche, die mir zumindest nicht schaden und wenigstens ein paar der betroffenen Leute bespaßen. Überraschung kommt von überrascht sein oder überraschen. Ich wurde überrascht, gestern, als ich eine der letzten Straßen belieferte. Abends. Noch sei ja nicht Nachtruhe, dachte ich. DACHTE ICH. Auf meinem MP3-Player spielte „The final countdown“ und wie man bei diesem Lied wohl nicht anders kann, pfiff ich fröhlich mit. Eigentlich kam es mir allerdings gar nicht so laut vor. Dann jedoch wurde ich von einer Stimme unterbrochen, die aus der Hecke zu meiner Rechten zu kommen schien, oder von hinter der Ecke, so genau ließ es sich nicht sagen. „Sophie! Oder wer auch immer da ist! SEI! LEISE!!!“ Nee, also, Sophie, so heiße ich nicht. Aber hier in diesem Ort, da kennen mich auch nur wenige Leute. Gesprochen hatte ein circa neunjähriges Mädchen. Ich sah es, als ich durch die Hecke spähte. Es sah mich an. Mit großen Augen. Und schien wie ich etwas erschrocken, doch vermutlich aus dem einfachen Grund, dass sie jemand anderen erwartet hatte. Jemanden mit dem Namen Sophie. Wahrscheinlich eine Sophie, die in dem Zelt schlafen sollte, das dort aufgebaut stand. Kopfschüttelnd setzte ich meinen Weg fort. Ich hatte das Mädchen fast schon wieder vergessen. So ist das manchmal, beim Verteilen wird der Kopf leer und man kann einfach mal richtig abschalten. Keine sinnlosen Gedanken an bevorstehende Tests und Klausuren in der Schule. Dann kam die letzte Straße. Die letzte für gestern jedenfalls, die letzte im kleinen Gebiet. Mein Fahrradständer wollte das Fahrrad nicht tragen. Vermutlich war es nur eine unebene Stelle im Boden, doch ich dachte auch darüber nicht länger nach sondern lehnte das Rad an einen Gartenzaun, solange ich kurz zum Briefkasten wollte um die Zeitung einzuwerfen. Ein Fehler. Ein ganz, ganz großer Fehler. Denn ich übersah das Schild „Vorsicht, frisch gestrichen!“ Zum Glück sah man dem Zaun nichts an, doch mein Fahrrad bekam den ein oder anderen Streifen ab. Nun ist es von einem Zebra nicht mehr zu unterscheiden. Tarnung geglückt, würde ich mal sagen.

30.8.14 23:23

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