Warum man über jeden und alles bescheid weiß

Als ich zur Welt gekommen bin, hat Gott mir eine besonders gute Nase gegen. Ich weiß nicht, ob es Fluch oder Segen ist. In Klausuren in der Schule ist es Fluch. Ich weiß dadurch manchmal mehr über die Leute, die am anderen Ende des Raumes schreiben, als mir lieb ist (Konkretisierung überflüssig!) In den Chemiestunden ist es auch Fluch. Zwar habe ich das Glück, ganz hinten zu sitzen, aber meine Nase verwehrt mir nicht den Geruch der auf dem Tisch aufgestellten Fläschchen. Ich find’s unangenehm, denn ich bin auch keine von den Leuten, die findet, dass Tankstelle gut riecht, mich kann man damit jagen. Es ist ein Segen wenn meine Nachbarn den Rasen mähen, was ich, wenn ich es nicht gerade höre (was aber natürlich immer der Fall ist) auch rieche, und das macht die unangenehme Lärmsituation meistens noch ein bisschen angenehmer. Es ist auch ein Segen, wenn ich durchs Land streife und die wunderschönen Wüchse auf den Feldern schnuppern kann (es sei denn, die Mähdrescher sind am Werkeln, so wie heute…) Aber wenn ich meine allwöchentlichen Samstagsrunden mache, dann ist es sowohl als auch. Natürlich kommt es sehr auf die Uhrzeit an, zu der ich losziehe. Wenn sich mal wieder das ganze Dorf dazu entscheidet, gleichzeitig zu grillen und ich von Haus zu Haus gehe, dann hat der Geruch schon irgendwie Stil. Aber manchmal entscheidet sich das gesamte Dorf auch für Fisch, dann ist meine Runde für gewöhnlich besonders schnell vorbei. Denn auch damit kann man mich jagen. Wenn jemand während meines Ganges duscht, kann ich sagen, was für ein Shampoo er benutzt (na ja, die Marken kann ich leider noch nicht auswendig, aber ich bin mir sicher, auch das wir noch kommen). Der Geruchssinn ist noch in einem weiteren Punkt Fluch und Segen zugleich. Oft bin ich vorgewarnt, wenn stumme Optimisten auf mich zu kommen, denn einiges am Hintern ihrer Lieblinge bleibt scheinbar haften und die Gerüche verteilen sich wie eine Flutwelle über das gesamte Dorf. Da wundert es mich doch manchmal, dass nicht alle Leute ihre Fenster zuknallen. Aber den meisten geht es ja gar nicht so wie mir. Wenn die stummen Optimisten sich jedoch herangepirscht haben ohne, dass ich sie vorher bemerkt habe und ihre Lieblinge erst dann ihr Geschäft machen, dann ist der nächste Teilabschnitt meiner Runde ebenfalls ungewöhnlich schnell beendet. Ich werde dann wieder langsamer, bis zu dem Punkt, wo ich den nächsten stummen Optimisten in der Ferne ausmache. Dann renne ich wieder.

3.8.14 20:27

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