Angelurlaub

Natürlich ist aber nicht alles so negativ wie manch erster Eindruck scheint. Denn während meiner heutigen Tour habe ich durchaus amüsierende Dinge erlebt. Dinge, die einem eigentlich niemand glaubt, wenn er nicht dabei gewesen ist. Aber die die doch geschehen sind und die ich der Welt wieder einmal nicht vorenthalten kann. „Hallo“, sagt hinter mir jemand. Ich drehe mich um. „Ich würde gerne schon eine Zeitung haben. Lieselotte und ich (er nickt einer Frau zu, die circa dreißig Meter von uns entfernt an ein Auto gelehnt steht und ungeduldig auf den Boden klopft, ich nehme an, dass es sich dabei um seine Ehefrau handelt) wollen nämlich in den Urlaub fahren.“ Ah ja, denke ich innerlich. Wieder einmal beginnt jemand damit, mir seine halbe Lebensgeschichte zu erzählen. Das kommt öfter vor. TEILWEISE ist es aber echt interessant! „Ans Steinhuder Meer wollen wir fahren“, fährt der Mann fort. Ich rufe mir in Erinnerung, wo und was das überhaupt war. Handelt es sich dabei nicht um den Tümpel bei Hannover? Wenn man das Meer ganz in der Nähe hat, fährt man doch nicht freiwillig DAHIN! „Wir wollen dort angeln, Heringe am besten. Uns vielleicht sind da auch noch ein paar andere Fische, ich hoffe es. Lieselotte macht nämlich ihren Angelschein. Oh, sie wird noch viel von mir lernen können…“ Er schweigt und starrt gedankenverloren in die Ferne. Ich fange Lieselottes Blick auf und grinse schief, doch sie sieht überhaupt nicht fröhlich aus. „Hans-Peter!“, ruft sie schließlich. „Kommst du ENDLICH? Wir wollen los!“ Der gute Mann fängt sich wieder. „Also, 20 B müssen Sie nicht einwerfen“, sagt er abschließend, nimmt die Zeitung und trottet von dannen. Ich starre ihm hinterher. Hans-Peter… Während er zu Lieselotte ins Auto steigt, stelle ich fest, dass er mit seinem Hawaii-Hemd, der Kette und der kleinen runden Sonnenbrille anderswo sicherlich besser hingepasst hätte. Steinhuder Meer… Ich kann’s immernoch nicht fassen. Ich frage mich, ob er die Zeitung zur Abwechslung braucht während Lieselotte angelt oder ob er einen vollgestopften Briefkasten vermeiden will. Wahrscheinlich Zweiteres, schließlich hat er ja bereits damit geprahlt, seiner Frau beim Angeln helfen zu können. Gegenüber steht ein stummer Optimist und bei meiner Eile, so schnell wie möglich von ihm wegzukommen, vergessen ich Hans-Peter und Lieselotte kurzzeitig wieder und denke mir, als ich am Briefkasten ankomme, nur: Oh, super, endlich mal einer, der noch nicht vollgestopft ist!

26.7.14 22:13

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