Kommunikation wird überbewertet

Nachmittags bin ich freundlich, hilfsbereit, nett und offen. Meistens. Manchmal. Zumindest sagen das alle, die – völlig zu Unrecht – den guten Glauben in mich noch nicht verloren haben. Und morgens? Da bin ich Gift. Vielleicht nicht unsozial, aber innerlich ganz schlecht gelaunt und eigentlich sollte mir das Sprechen verboten werden, schließlich stecke ich dann mit meiner schlechten Laune alle an, solange ich nicht alle eigentlich für den Tag gesparten Energien aufwende um noch freundlich auszusehen. Aber wenn mich dann doch jemand zum Sprechen zwingt… Mein lieber Herr Gesangsverein! Manchmal ertappe ich mich bei dem Gedanken von „Gehweg doof, Zeitung doof, Hund doof.“ Nein, prinzipiell habe ich nichts gegen Hunde. Aber die Besitzer, das sind die schlimmsten! Und manchmal, da denke ich leider Gottes nicht nur die bösen Dinge, sondern murmele sie mehr oder weniger leise vor mich hin: „Der Typ da, der sieht scheiße aus!“ Was selbstverständlich aber niemals auf „normale Passanten“, sondern immer nur auf Hundebesitzer zu beziehen ist, deren Lieblinge lange genug an der Ecke stehen bleiben um ihr Geschäft zu erledigen sodass jeder meiner Schritte von neugierigen Augen analysiert werden kann. Ich bin mir beinahe sicher, dass es sich bei diesen Leuten um stumme Optimisten handelt, die mir, wenn sie sprechen könnten, etwas von positiven Lebenseinstellungen und den gesundheitlichen Risiken und Auswirkungen negativen Denkens erzählen würden. Da denke ich – zum Wohle aller Anderen – nur: „Hey, Leute, lasst mich morgens doch in Ruhe Pessimist sein!“ Aber trotzdem: Mir tun alle leid, die – tagein, tagaus – dazu gezwungen werden, vor zehn Uhr Kommunikationsversuche mit mir zu starten.

23.7.14 11:15

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